Gassigeschichte #2 – Mein Hund braucht keine Leine! Oder doch?

Beim Gassigehen erlebt man die unterschiedlichsten Geschichten. Jeder Mensch hat andere Vorstellungen von der perfekten Hundeerziehung und/ oder eine Vorstellung von dem perfekten Spaziergang mit dem eigenen Vierbeiner. Oft habe ich das Gefühl, dass der perfekte Spaziergang in der Welt der meisten Hundebesitzer so aussieht, dass man möglichst niemandem begegnet. Keinen Menschen, keinen Autos und vor allem – ganz wichtig – keinen anderen Hunden! Und selbstverständlich ist auch klar, dass der Hund den größtmöglichen Freiraum genießen darf und für Frauchen und Herrchen steht fest: Der Hund braucht keine Leine und darf machen was er will! Das ist aber sowohl in der Stadt als auch auf dem Land kaum zu realisieren und so schafft sich der ein oder andere Hundemensch eben seine eigene Welt. So nach dem Motto: Da sind zwar ganz viele Autos, aber wenn ich nicht hingucke, sind sie auch nicht gefährlich für den Hund! Und an dieser Stelle bin ich auch schon mitten im Thema.

„Dein Hund muss ja nur an die Leine, weil er nicht hört“

Wir wohnen in einem kleinen Dorf und natürlich gibt es hier auch Autos. Weniger als in einer Großstadt, aber immer noch sehr viele und vor allem die Durchgangsstraßen sind recht stark befahren. Das hindert manche Gassigänger aber nicht daran, ihre geliebten Vierbeiner an dieser Straße – auf dem Weg zu den Feldern – frei laufen zu lassen. Entweder trabt der Hund dann neben dem Fahrrad her oder die Damen und Herren (meist sind es hier aber eher die Herren) gehen ohne Leine in der Hand zu Fuß. Schließlich rennt der Hund ja nicht weg und hört immer und ohne Ausnahme aufs Wort und er weiß natürlich auch, wie gefährlich die Straße ist und würde auch nur auf die andere Straßenseite rennen, wenn kein Auto in Sichtweite ist. Der perfekt erzogene Hund eben! Eine perfekte Vorstellung, die aber leider so keine Gültigkeit mehr hat, wenn der Hund sich z.B. vor einem möglicherweise hupenden Auto erschreckt, einer vorlaufenden Katze hinterher rast oder einfach eine wundervoll duftende Schnüffelspur verfolgt. Spätestens dann hat der Hund seine perfekte Verkehrserziehung vergessen.

Jetzt kommen wahrscheinlich wieder die ganzen Stimmen, die sagen: „Du darfst dich nicht in die Erziehung anderer Tierhalter einmischen! Du übertreibst!“ Ich mische mich ja nicht ein, ich bete nur, dass es für den Hund gut ausgeht, wenn ich ihn ohne Leine an der Straße hinter seinem Herrchen her rennen sehe.

Mein Hund braucht keine Leine – der hört auf mich!

Vor allem morgens, wenn es draußen noch dunkel ist und die Bewohner unseres Dorfes zur Arbeit fahren, kann ich die Menschen nicht verstehen, die ihren Hund nicht anleinen. Wir begegnen fast jeden Morgen einem Herrn auf dem Fahrrad mit einem, manchmal auch zwei Hunden. Die Hunde laufen ohne Leine neben dem Fahrrad her, bleiben stehen, schnüffeln, rennen auch mal in die andere Richtung zurück oder laufen uns entgegen um Boerne zu begrüßen – während Herrchen sich 100 Meter weiter die Seele aus dem Leib schreit und irgendwie versucht seine Hunde anzulocken.

Leider verstehen diese nicht, dass Herrchen scheinbar noch wichtige Termine hat und sie sich gefälligst zu beeilen haben. Irgendwann, wenn er merkt, dass er keine Chance hat, die Hunde anzulocken, fährt er einfach weiter. Irgendwann rennen sie schon hinterher. Was ist das für eine Einstellung? Nur weil es an 100 Tagen gut gegangen ist und keiner seiner Hunde auf die Straße gerannt ist, heißt das nicht automatisch, dass an Tag 101 nichts passiert. Die vorbeilaufende Katze habe ich in diesem Zusammenhang ja bereits erwähnt genauso kann es aber passieren, dass einer der Hunde sich vor einem Fahrradfahrer, einem Jogger, Kindern oder einfach einem anderen Hund erschreckt. Vielleicht fangen die Hunde auch mal an zu toben und zu rennen und ich glaube nicht, dass sie dann einfach ihr Spiel unterbrechen, an der Straße stehen bleiben, dann links und rechts schauen und erst auf die Straße springen, wenn kein Auto mehr kommt. Vor allem im Dunkeln sind die Hunde schließlich kaum zu erkennen.

Der will doch nur Hallo sagen!

Eine andere Begegnung gleiches Thema! Diesmal war es gegen Mittag, wir überqueren die Hauptstraße um von unserem Spaziergang nach Hause zurückzukehren. Boerne ist natürlich – wie immer auf diesem Stück – an der Leine, als wir hinter uns plötzlich quietschende Autoreifen hören. Während uns, genauso plötzlich, ein Riese von Hund überholt und Boerne freudig beschnuppert. Wir kennen den Hund und die zwei mögen sich, alles kein Problem, aber der freundliche Kerl hat einfach ganz alleine entschieden über die Straße zu laufen und dem geschockten Herrchen zu zeigen, dass Autos auch Bremsen haben. Zum Glück hat die Fahrerin sehr schnell reagiert und es ist nichts passiert. Wäre der Hund an der Leine gewesen, hätte er sich wahrscheinlich nicht einfach losgerissen um uns Guten Tag zu sagen, sondern wäre seinem Herrchen auf dem sicheren Weg gefolgt. Für den Hund wäre es einfach sicherer gewesen. Herrchen hat übrigens daraus gelernt.

Was bewegt die Frauchen und Herrchen denn dazu ihre Hunde an Straßen ohne Leine laufen zu lassen? Glauben Sie wirklich, dass ihre Hunde immer auf dem Bürgersteig bleiben? Kennen sie die Gefahren nicht? Oder sind sie einfach zu faul die Leine in der Hand zu halten? Grundsätzlich ist es ja toll, wenn Hunde frei laufen dürfen. Boerne genießt es auch immer sehr, wenn er mal richtig rennen kann! Aber dafür gibt es doch viele sichere Gegenden.

Mich würde mal interessieren, wir ihr das macht? Laufen eure Hunde auch grundsätzlich ohne Leine durch die Gegend oder lasst ihr eure Vierbeiner nur in sicheren Gegenden frei laufen?

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9 Kommentare

  1. Hey,

    wir haben Adgi an der Straße zu 99% an der Leine, es sei denn, da ist ein Graben dazwischen und die Straße ist keine Autobahn.

    Es kommt also vor, dass unser Hund an einer Straße ohne Leine läuft. Ich habe mit dem Dicken hier eine Trainingsrunde-erst Acker zum Laufen und dann Straße und Weg mit Graben, danach Bürgersteig an Straße mit Pferdekoppel.
    Wenn Adgi super aufmerksam ist (wir über auf dem Weg mit Graben Dinge wiw „rum“ und „links“ und „rechts“), dann darf er auf dem Bürgersteig laufen, ohne, dass ich die Leine in der Hand habe. Er trägt sie entweder lang hinter sich oder auf dem Rücken. Dazu müssen viele Faktoren für mich passen, aber auch wir haben diesen Tag, an dem er mal „einfach“ Fuß gehen darf.
    Er ist dann super stolz und macht die Kommandos perfekt. Es ist schwer, alles zu Generalisieren….

    Aber Unverantwortlichkeit ist nie gut!

    Liebe Grüße

    Anika

  2. Du sprichst mir aus der Seele. Der Hund als solcher ist und bleibt unberechenbar. Und sei es nur minimal. ich möchte nicht sagen müssen…oh, das hat der ja noch niiieee gemacht… wo es möglich ist, kann Arco laufen, rennen und toben ohne Leine. An die Leine kommt er immer an der Strasse, in Wohngebieten (ist hier ein Muss) und im Wald, um nicht z.B. Rehkitze zu erschrecken. Außerdem auch wenn Fußgänger oder andere Hunde kommen. Nicht jeder ist angstfrei beim Anblick eines Hundes und nicht jeder andere Hund ist willkommen, freundlich oder gesund. Wenn das alles klar ist steht dem Ableinen nichts im Wege. Dem Hund schadet es nicht, mal ein paar Meter angeleint zu gehen. Es ist ja auch zu seiner Sicherheit… Und es gibt lange Leinen… Bei uns in der Eifel gibt es aber glücklicherweise genug Möglichkeiten, ohne Leine zu laufen und mal niemanden zu treffen, auch keine Autos. Viel Spaß mit Boerne…ob mit oder ohne Leine

  3. Unser Beagle läuft auch nur am Wochenende selten und kurz frei.
    Ich habe die Erfahrung/das Gefühl, dass es bei den meisten Leuten das Ego pusht- nach dem Motto „Ich bin so ein Toller Hobbytrainer-seht her wie gut er erzogen ist“. Nur um sich zu profilieren den Hund so einer Gefahr aussetzen käme für mich nicht infrage. Zumal sie einfach unberechenbar bleiben. Für solche Leute traurig aber wahr. Für mich gehört es dazu- Hunde sind keine Roboter.

  4. Ich lasse meinen Hund Dobby grundsàtzlich in der nàhe oder an der Strasse nicht ohne Leine laufen aus den schon genannten Grùnden. Kann aber auch die nicht verstehen die Ihre Hunde an der voll ausgefahrenen Flexi-Leine an der Strasse laufen lassen wenn der Hund vor ein Auto làuft ist er zwar angeleint aber trots dem schlimmstenfalls tot.

  5. Ich wohne etwas abgelegen in der stadt und gehe immer mit leine raus , denn bei uns fahren die Autos wie die irren und auch Radfahrer klingeln nicht wenn sie von hinten einen überholen und so ist es mir auch zu unsicher. Zudem laufen wir drei immer an straßen, daher immer mit leine. Wenn wir an einem Feld lang kommen wo ich sehe das da keine autos fahren lasse ich meine zwei zwerge auch laufen. Das genießen sie richtig und laufen dann wie die bekloppten rum. Ich plane das auch immer mit ein den meine beiden Hunde müssen sich regelmäßig auspauern. Es sind Italienische Windspiele. Da dauert ein Spaziergang dann schon mal 1-2 Stunden. Aber das ist okey . Danach werden sie wieder angeleint und wir gehen zusammen sicher zurück nach hause.

  6. Ganz klar: Mein Hund kommt immer an der Straße an die Leine! Unabhängig davon dass eine Regelung uns das auch vorschreibt (weil Wohngebiet). Würde ich auch machen auch wenn unser Weg mit Straße nicht viel ist. Dafür habe ich auch zu sehr Angst um meinen Hund. Und für ihn ist das ja auch keine Einschränkung. Dafür durfte er sich ja im Feld frei bewegen. 😀

  7. Grundsätzlich läuft meine immer an der Leine, wenn Situationen für mich nicht komplett einsehbar oder als ungefährlich einschätzbar ist.
    Es tut keinem Hund einen Abbruch wenn er mal länger als gewohnt oder auch mal ein ganzes Gassi an der Leine verbringen muss. Auch mit zwei Hunden hab ich meistens zumindest einen an der Schleppleine, weil beide nicht 100% angstfrei sind.

  8. Odin ist im Dorf auch immer an der Leine. Natürlich wegen den Autos, aber auch weil ich ihn ansonsten bei jedem der uns begegnet abrufen und anleinen muss. Der Herr meint nämlich das es toll ist jeden Fremden zu begrüßen.
    Bei uns gibt es einen kurzen Weg, wo keine Straße nebenbei ist (aber im Ortsgebiet besteht Leinenpflicht). Man muss dann aber über eine Straße, um zum nächsten Weg zu kommen. Da sehe ich es leider immer wieder das Hunde einfach drüber laufen. Vom Besitzer noch weit und breit keine Spur.
    Liebe Grüße,
    Julia und Odin

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